Vertrag & Gewährleistung
Gewährleistungsbürgschaft
Die Gewährleistungsbürgschaft sichert dem Auftraggeber Mängelansprüche nach der Abnahme ab – über die gesamte Gewährleistungsfrist. Statt einen Sicherheitseinbehalt zu binden, stellt der Auftragnehmer eine Bürgschaft und erhält die einbehaltene Liquidität zurück.
Das Wichtigste in Kürze
Definition
Sichert Mängelansprüche des Auftraggebers nach der Abnahme während der Gewährleistungsfrist ab.
Zielgruppe
Auftragnehmer im Bau und Handwerk sowie bei Liefer- und Werkverträgen mit Gewährleistungspflichten.
Typische Bürgschaftshöhe
Meist ein Prozentsatz der Auftrags- bzw. Abrechnungssumme, häufig rund 2–5 % (vertraglich vereinbart).
Größter Vorteil
Ersetzt den Gewährleistungseinbehalt – die einbehaltene Liquidität wird frei.
Die wichtigsten Merkmale
- Typ
- Vertrags- bzw. Avalbürgschaft
- Begünstigter
- Auftraggeber (Besteller)
- Bürge
- Kautionsversicherer oder Bank
- Typische Laufzeit
- Über die Gewährleistungsfrist (im Bau häufig mehrere Jahre)
- Bearbeitungszeit
- In der Regel wenige Werktage
- Digitale Ausstellung
- Möglich
- Bankkreditlinie wird belastet?
- Nein – über einen Avalrahmen des Kautionsversicherers
In sechs Schritten zur Gewährleistungsbürgschaft
Von der Auftragserteilung bis zum Projektstart – so entsteht die Bürgschaft.
- 1
Abnahme der Leistung
Die Leistung wird abgenommen; der Vertrag sieht eine Gewährleistungssicherheit vor.
- 2
Bürgschaft beantragen
Der Auftragnehmer beantragt die Gewährleistungsbürgschaft beim Bürgen.
- 3
Prüfung
Bonität und Unterlagen werden geprüft und die Bürgschaftshöhe bestätigt.
- 4
Ausstellung
Die Bürgschaftsurkunde wird ausgestellt – auf Wunsch digital.
- 5
Einbehalt-Freigabe
Gegen die Bürgschaft gibt der Auftraggeber den Gewährleistungseinbehalt frei.
- 6
Ende der Frist
Nach Ablauf der Gewährleistungsfrist wird die Bürgschaft zurückgegeben.
So funktioniert es in der Praxis
Handwerksbetrieb schließt Bauprojekt ab
Ein Handwerksbetrieb hat ein Bauprojekt abgeschlossen. Der Auftraggeber möchte 5 % der Auftragssumme als Gewährleistungssicherheit einbehalten.
Statt 40.000 € über Jahre einzubehalten, akzeptiert der Auftraggeber die Bürgschaft – die Liquidität steht dem Betrieb sofort wieder zur Verfügung.
- Auftragssumme
- 800.000 €
- Gewährleistungseinbehalt
- 5 %
- Gewährleistungsbürgschaft
- 40.000 €
- Einbehalt
- Wird freigegeben
Ihre Vorteile auf einen Blick
Liquidität freisetzen
Der Gewährleistungseinbehalt wird frei – Kapital bleibt im Unternehmen.
Banklinie frei
Über den Avalrahmen bleibt die Kreditlinie der Hausbank unberührt.
Schnelle Ausstellung
Die Bürgschaft wird kurzfristig und auf Wunsch digital gestellt.
Professioneller Marktauftritt
Anerkannte Sicherheiten stärken die Position bei Auftraggebern.
Typische Einsatzbereiche
- Bau
- Maschinenbau
- Anlagenbau
- Metallbau
- Elektro
- Industrie
Häufige Fehler & Expertentipp
Häufige Fehler
- Bürgschaftshöhe und -text nicht mit dem Vertrag abgleichen – nur die vertraglich vereinbarte Sicherheit ist zu stellen.
- Eine selbstschuldnerische Bürgschaft akzeptieren, obwohl vertraglich eine Ausfallbürgschaft genügt.
- Die Rückgabe der Urkunde nach Ablauf der Gewährleistungsfrist vergessen – das bindet unnötig Avalrahmen.
- Die Gewährleistungsfrist im Bürgschaftstext falsch ansetzen (VOB/B und BGB unterscheiden sich).
Expertentipp
Prüfen Sie vor der Ausstellung, ob eine Ausfall- statt einer selbstschuldnerischen Bürgschaft genügt und ob der Bürgschaftstext exakt der vertraglich geschuldeten Sicherheit entspricht. Das vermeidet Übersicherung und spätere Streitpunkte.
Häufige Fragen
Grundlagen zu Bürgschaften und Avalen – neutral erklärt.
Verwandte Bürgschaften
Weitere Bürgschaften, die dazu passen
Benötigen Sie eine Gewährleistungsbürgschaft?
Wir analysieren Ihren individuellen Bedarf und entwickeln gemeinsam die passende Bürgschafts- oder Avallösung – schnell und persönlich.
